Kinder aufs Rad! Das war die Devise der 8. Sitzung des Parlamentskreises Fahrrad Baden-Württemberg. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der zuständigen Ministerien, der kommunalen Verbände und der Zivilgesellschaft beleuchte der Kreis die Frage, was konkret getan werden muss, damit Kinder besser selbstaktiv und sicher mit dem Rad am Straßenverkehr teilhaben können. Das Fazit der Runde: Es braucht sowohl eine gut ausgebaute Radinfrastruktur als auch Unterstützungsangebote für Familien, Schulen und Behörden. Wesentlich dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den verantwortlichen Stellen. Am Abend im Stuttgarter Landtag konnten hierzu bereits wichtige Verbindungen und Netzwerke geknüpft werden.

Stuttgart, 02. Dezember 2025.

„Das Fahrrad bedeutete für mich als kleiner Junge schon Freiheit und Unabhängigkeit! Kinder, die regelmäßig mit dem Rad unterwegs sind, profitieren in ihrer Entwicklung ungemein. Radfahren fördert sowohl motorische als auch kognitive Fähigkeiten, ist gesund, beugt Bewegungsmangel vor und schont ganz nebenbei noch das Klima.“ führte der Landtagsabgeordnete Hermino Katzenstein, Initiator des Parlamentskreises und Grüner Fraktionssprecher für Rad- und Fußverkehr, in den Abend ein.

Anschließend vermittelte Hannah Eberhardt, Geschäftsführerin von Verkehr mit Köpfchen, in ihrem Impulsvortrag einen Eindruck davon, welche Mobilitätsbedürfnisse Familien mit Babys und kleinen Kindern haben und welche Unterstützung sie brauchen. „In Umfragen haben viele Familien explizit den Wunsch geäußert, mehr Radfahren zu wollen. Allerdings haben sie häufig Sicherheitsbedenken – auch aufgrund unzureichender Fahrradinfrastruktur – und fühlen sich über die Möglichkeiten der Kindermitnahme auf dem Rad nicht ausreichend informiert“ erläuterte die Mobilitätsexpertin und stellte eine Broschüre übers Radfahren in der Schwangerschaft, Baby- und Kleinkindzeit des Vereins Fahrrad & Familie vor, die bei den kommunalen Verbänden auf großes Interesse stieß (Link zur Broschüre). Die von den Kommunen als Multiplikatoren zugesagte Verbreitung der Infobroschüre wurde von der Runde als Chance identifiziert, auch kleine Kinder vermehrt aufs Rad zu bringen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 8. Sitzung des Parlamentskreises Fahrrad Baden-Württemberg im Stuttgarter Landtag zum Thema „Kinder auf Rad“. Foto: Stilla (v.l.n.r: Philipp Wokeck (KM), Fadmine Tuncer MdL (GRÜNE), Hannah Eberhardt (Verkehr mit Köpfchen), Günter Riemer (AGFK BW), Anna Hussinger (AGFK BW), Catharina Scheytt (Junger ADFC BW), Carola Vordermeier (Kidical Mass Stuttgart), Rabea Boos (SM), August Schuler MdL (CDU), Staatssekretärin Elke Zimmer MdL (VM), Hermino Katzenstein MdL (GRÜNE), Dr. Susanne Garreis (ADFC BW), Dr. Gudrun Zühlke (MOVERS), Dr. Matthias Zimmermann (ADFC BW), Luisa Pauge (Gemeindetag BW), Jens Leven (Bueffee), Ralf Kuschel (Landkreistag BW), Michael Schwab (IM))

Im zweiten Referat des Abends ging Sicherheitsauditor Jens Leven vom Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation (bueffee) auf die Aspekte Schulmobilität und Schulwegplanung ein. Sein neues digitales Analysetool, welches im Handumdrehen hochfrequentierte Schulwegrouten identifizieren kann, erregte dabei besondere Aufmerksamkeit. In der Fläche angewandt könnte damit die Schulwegplanung maßgeblich vereinfacht und qualitativ verbessert werden.

Im offenen Austausch berichtete Philipp Wokeck, Referent im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, dass zunehmend mehr Kinder die Anforderungen der Radfahrausbildung in Zusammenarbeit mit der Polizei in der Grundschule nicht mehr bewältigen. Um hier gegenzusteuern wird derzeit „Das Radfahrabzeichen BW“ im Rahmen des Landesprogramms MOVERS-Aktiv zur Schule entwickelt. Unterrichtenden werden Materialien zur Verfügung stellt, um das Erlernen des Radfahrens im schulischen Kontext zu unterstützen.

Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer MdL lobte in diesem Zusammenhang das Landesprogramm MOVERS-Aktiv zur Schule, das Schulen und Kommunen hinsichtlich des Mobilitätsmanagements berät und eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des neuen Bausteins „Das Radfahrabzeichen BW“ innehat.

Auch die junge Generation kam zu Wort. Catarina Scheytt vom Jungen ADFC, der im Frühjahr 2025 neu gegründeten Jungendorganisation des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, forderte, dass Kinder, Jugendliche und Eltern als unmittelbar Betroffene mehr in Entscheidungsprozesse eingebunden werden müssen. Diese Forderung teilte auch Carola Vordermeier von der Kidical Mass Stuttgart. Durch regelmäßige Schulwegchecks macht das Bündnis auf Gefahren und Missstände auf Stuttgarter Schulwegen aufmerksam. „Leider passiert dann aber einfach zu wenig. Dabei könnten oft schon kleine Maßnahmen viel für die Sicherheit der Kinder bewirken, wie beispielsweise eine regelmäßige Kontrolle von Falschparkern, auch schon am frühen Morgen zu Schulbeginn und zum Schulende.“ Unterstützung bekam die engagierte Stuttgarterin vom ADFC-Landesvorsitzenden Dr. Matthias Zimmermann, der anregte, bei der Prävention nicht immer nur die Kinder, sondern auch Autofahrende in die Pflicht zu nehmen. Zum Abschluss fasste Hermino Katzenstein die Quintessenz des Abends zusammen: „Ich freue mich sehr, dass der Parlamentskreis heute viele Beteiligte zusammenbringen und vernetzen konnte. Wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen – von der Hebamme über die Schulen und Kommunen bis hin zur Landesregierung – können wir mehr Kinder aufs Rad bringen und ihnen so eine selbstaktive Alltagsmobilität ermöglichen.“

Hintergrund zur 8. Sitzung des Parlamentskreises Fahrrad BW

Der Parlamentskreis Fahrrad Baden-Württemberg hat es sich zum Ziel gesetzt, den Radverkehr als wichtige nachhaltige Mobilitätsform in die Mitte des Parlaments zu tragen, um eine breite Unterstützung über Fraktionsgrenzen hinweg zu erreichen. Der Kern des Forums, welcher aus Mitgliedern verschiedener im Landtag vertretenen Fraktionen besteht, tagt regelmäßig, um sich zu Belangen und Themen rund um das Fahrrad auszutauschen. Je nach Themensetzung wird der Kreis außerdem durch weitere Fachabgeordnete, verschiedene Ministeriumsvertreter*innen sowie durch externe Gäste erweitert.

An der 8. Sitzung am 02. Dezember 2025 in Stuttgart zum Thema „Kind aufs Rad!“ haben folgende Gäste der folgenden Institutionen teilgenommen:

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V. (ADFC), Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e.V. (AGFK BW), Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation (bueffee), Gemeindetag Baden-Württemberg, Junger ADFC, Kidical Mass Stuttgart, Landesprogramm MOVERS – Aktiv zur Schule, Landkreistag Baden-Württemberg, Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen (IM), Ministerium für Kultus, Jugend und Sport (KM), Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration (SM), Ministerium für Verkehr (VM), Verkehr mit Köpfchen.