„Wir wollen zeigen dass es funktioniert“

Epfenbach. Für die Fünftklässler der Gemeinschaftsschule Helmstadt-Epfenbach steht „Soziales Lernen“ auf dem Stundenplan. Mit Kreppband markiert die Schulsozialarbeiterin zwei Linien auf dem Boden und sagt: „Stellt euch vor, Epfenbach ist vom Hochwasser betroffen und ihr müsst euch zur Schule auf dem Hügel retten.“ Teppichfliesen dienen als ‚Schwimmkörper‘ und damit diese nicht „wegtreiben“ wird jede Hand und jeder Fuß gebraucht. Die Lerngruppe, die sich aus Schülern verschiedener Dörfer zusammensetzt, findet spielend zusammen.

Seit Anfang des Schuljahres tragen die Gemeinden Helmstadt-Bargen und Epfenbach gemeinsam eine Gemeinschaftsschule. Der Unterricht startete mit 19 Fünftklässlern an der Epfenbacher Merianschule. Von Klasse 5 bis Klasse 7 werden die Schüler künftig am Standort Epfenbach, von Klasse 8 bis 10 am Standort Helmstadt unterrichtet. Die Schulträgerschaft liegt bei der Gemeinde Helmstadt-Bargen.

Helmstadts Bürgermeister Wolfgang Jürriens ist stolz auf das bisher Erreichte, er spricht beim Besuch des Grünen Landtagsabgeordneten Hermino Katzenstein aber auch von den enormen Herausforderungen, aus den zwei ausblutenden Werkrealschulen auf Dauer eine stabile Gemeinschaftsschule im Ganztagsbetrieb mit mindestens 40 Schülern pro Jahrgang zu schmieden.

 

Es braucht Zeit, den Mehrwert der Gemeinschaftsschule zu vermitteln“, glaubt auch Epfenbachs Bürgermeister Joachim Bösenecker. Die Gemeinde habe viel in die Merianschule mit dem benachbarten Sportplatz und dem Hallenbad investiert, man wolle alles tun, um den Standort zu erhalten.

 

Grafeneck-Rektor Klaus Klinger sorgt sich, dass die Gemeinschaftsschule politisch tot gemacht wird noch bevor der erste Jahrgang fertig wird und die neue Schulart auch gegenüber der Wirtschaft beweisen kann, was zu leisten sie in der Lage ist.

 

Katzenstein spricht von „unglücklichen Aussagen“ der Kultusministerin, die er sogleich relativiert: „Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat deutlich gemacht, dass die Koalition klar hinter den Gemeinschaftsschulen steht.“ Dass die neue Schulart mit ihrem pädagogischen Konzept des individuellen und eigenverantwortlichen Lernens bei Schülern, Eltern und Lehrern bestens ankommt, das erfährt Katzenstein bei seinen Besuchen in den Gemeinschaftsschulen der Region immer wieder.

„Die Schüler können im eigenen Tempo lernen und je nach Leistungsstand in den verschiedenen Fächern optimal gefördert werden“, so der Grünen-Abgeordnete. Damit biete die Gemeinschaftsschule nicht nur vielen Schülern neue Chancen, sondern sei auch für leistungsstarke Schüler attraktiv. Neben dem Haupt- und Realschulabschluss ermögliche die Schulart auch den nahtlosen Übergang auf die gymnasiale Oberstufe oder führe selbst zur Hochschulreife. „Es ist unser aller Aufgabe, den Eltern zu vermitteln, dass die Gemeinschaftsschule weit mehr ist als ein neues Etikett für die alte Hauptschule“, betont Katzenstein. Auch die unterschiedliche Besoldung der Lehrer spricht der Abgeordnete an. Das sei ein wichtiges Thema, er habe gerade erst mit Vertretern der Bildungsgewerkschaft GEW darüber gesprochen.

 

Schulen in der Umgebung stehen im Wettbewerb untereinander und da kann die Erreichbarkeit bei der Wahl der Schule eine entscheidende Rolle spielen. Selbst bei eher geringen Entfernungen müssten teilweise weite Umwege mit dem Bus und sogar Umstiege in Kauf genommen werden, berichtet Bürgermeister Jürriens und wünscht sich den Ausbau bestimmter ÖPNV-Verbindungen.

 

Katzenstein weist auf die Förderung von Bürgerbussen durch das Land hin. Ein solcher von der Bürgerschaft organisierter Bus könne die Schüler an bestimmten Standorten einsammeln – eine Idee, die auf spontanen Zuspruch trifft.

 

Eine flammende Verfechterin der Gemeinschaftsschule ist auch die kommissarische Schulleiterin der Merianschule, Petra Burger. Sie weist auf den Tag der offenen Tür am 8. März hin. „Da wollen wir zeigen, dass es funktioniert.“

 

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