Bewohner der Containerunterkunft Kriegsmühle tragen ihre Wünsche vor

Austausch mit Flüchtlingen und Helfern

Unsere Radtour zu Flüchtlingsunterkünften im Elsenztal traf auf große Resonanz:

Hier einige Impressionen:

Frühstück mit Bewohnern und Helfern bei der Walkmühle Gemeinsames Frühstück mit Flüchtlingen bei der Walkmühle in Neckargemünd. Hier kommen nicht nur Brötchen und Marmelade auf den Tisch, sondern auch Anliegen der Bewohner. Geäußert wird unter anderem der Wunsch nach einer Straßenbeleuchtung. Das sanierungsbedürftige Gebäude liegt außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes an der B45 zwischen Neckargemünd und Bammental. Sieben Familien mit Kindern sind hier aktuell noch untergebracht. Wie die Koordinatorin des Arbeitskreises Asyl Petra Groesser erzählt, gibt es keinen Gemeinschaftsraum und für jede Person stehen nur knapp 4,5 Quadratmeter zur Verfügung. „Für mich ist es nicht verständlich warum die Familien die leer stehenden Zimmer nicht nutzen dürfen um sich etwas auszubreiten“, sagt sie. Der Arbeitskreis Asyl hat in der Außenanlage schon Vieles auf den Weg gebracht, unter anderem einen Spielplatz mit Spielhütte sowie einen Unterstand für Fahrräder. Da es mit der Straßenbeleuchtung noch dauern kann will Henriette Katzenstein Spenden für die Anschaffung von Stirnlampen sammeln.

 

Neue Containerunterkunft bei der WalkmühleGegenüber der Walkmühle verpassen Bauarbeiter der neuen Containerunterkunft gerade den letzten Schliff. Petra Groesser zufolge wird hier auf die Schnelle dringend benötigter Platz für die Anschlussunterbringung geschaffen. Es wird sechs Acht-Bett-Zimmer und wenige Zwei- bis Dreibettzimmer geben, dazu einen Gemeinschaftsraum und ein kleines Büro. Jede Wohneinheit ist abgeschlossen und hat eine eigene Küche und Nasszelle. „Da kommt viel Arbeit auf den Arbeitskreis Asyl zu“, weiß die Flüchtlingshelferin.

Bis zur nächsten Etappe, der Kriegsmühle in Bammental, geht es auf dem schmalen Weg entlang der viel befahrenen B45. In den dortigen Containern wohnen seit kurzem 75 Männer, die zuvor in der Notunterkunft in Leimen untergebracht waren. Agathe Schott-Dussel, die einige Flüchtlinge über die Flüchtlingshilfe Leimen gut kennt und sich auch in Bammental weiter für sie einsetzt, macht auf das wichtige Thema Verkehrserziehung aufmerksam. Hermino Katzenstein weist darauf hin, dass es Plakate und Broschüren mit einfachen Grundregeln in verschiedenen Sprachen für Radfahrer gibt und dass der ADFC für Kinder Verkehrspädagogik anbietet.

Enger Radweg an der B45Vor der Containerunterkunft werden die Teilnehmer von einer großen Schar Flüchtlinge ausgesprochen herzlich begrüßt. Die Männer holen spontan Stühle herbei und man macht es sich zwischen Containern und Mülltonnen bequem. „Vielen Dank dass wir hier sein dürfen“, sagt der Abgeordnete, stellt fest, dass die Flüchtlingshilfe Bammental gut vertreten und sehr aktiv ist und fragt nach Problemen. „Wo können wir als Land, als Kreis oder als Stadt helfen?“

Bewohner der Containerunterkunft Kriegsmühle tragen ihre Wünsche vorDie Bewohner sind gut vorbereitet. Einer von ihnen steht auf und liest im Namen aller einen sehr höflich formulierten Brief auf englisch vor, der sinngemäß so lautet: „Wir sind herzlich in Bammental aufgenommen worden und bekommen Hilfe bei vielen Dingen wie Fahrrädern, Kleidung, Schuhen ober auch dem Schulbesuch. Dennoch möchten wir gern die Gelegenheit nutzen und um weitere Unterstützung bitten, denn es gibt hier viele Menschen, die Erfahrung in ihren Berufen haben und wir suchen wirklich dringend Arbeit. Der Weg zum Supermarkt ist sehr weit für uns und wir bräuchten Fernsehen und Internetanschluss, das würde unsere Kommunikation sehr vereinfachen. Außerdem bräuchten wir noch Winterkleidung und Schuhe.“

Der Abgeordnete nimmt den Brief schmunzelnd entgegen, bedankt sich und sagt: „Ich hoffe, dass sich was machen lässt.“  Von Groesser kommt die Anregung, eine Radtour zum Neckargemünder Tafelladen zu organisieren, der auch günstig Winterkleidung vorhält. Wegen des Internets bietet sich Katzenstein an, bei der Telekom nachzuhaken. Auf seine Frage wie sie zum Supermarkt kommen sagt ein Flüchtling: „Diese Straße ist gefährlich, die Leute fahren so schnell.“  Ein Fußgängerübergang wäre nötig, weiß Katzenstein, doch beim Landratsamt habe er bisher nichts ausrichten können. „Bis der erste Unfall passiert…“

Wohin mit den Fahrrädern?„Wir haben lange auf die Flüchtlinge gewartet“, sagt Margit Fuchs von der Flüchtlingshilfe Bammental. Im Familienzentrum Bammental sei jetzt das „Inter-Café“ eröffnet worden, ein Ort der Begegnung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Hier gebe es freies W-Lan, man könne Musik machen und tanzen. „Da war eine fantastische Stimmung“, freut sie sich. Auch Deutschkurse würden organisiert, doch seien die Zimmer in der Unterkunft dafür zu klein und die Gemeinschafträume würden nur geöffnet, wenn ein Sozialarbeiter da sei. Gern begutachtet Katzenstein als passionierter Radfahrer noch die „Fahrradwerkstatt“, einen Pavillon, den die Flüchtlingshilfe in Eigenregie aufgestellt hat. Für den Winter bräuchten sie aber nun einen passenden Ersatz. Und auch Fahrräder werden weiterhin gesammelt. Dass auch die örtlichen Vereine offen für die Neuankömmlinge sind, freut den Abgeordneten.
Vor der Schwimmbadstraße in Neckargemünd In der Schwimmbadstraße begrüßt Anette Rehfuss als stellvertretende Bürgermeisterin die Gruppe vor einem ansehnlichen Neubau. „Der Bauantrag war gestellt worden als es diese Fülle der Geflüchteten noch nicht gab“, sagt sie und weist auf den „Luxus“ von 11 Quadratmetern pro Person hin. Das Projekt sei damals von der Landesregierung mit 25 Prozent gefördert worden. Ende Oktober oder Anfang November sollen hier zwei syrische Familien einziehen. Es gibt außerdem noch acht Einzelwohnungen, einen Gemeinschaftsraum, Fahrradstellplatz und Kinderspielplatz. „Das ist ein attraktives Objekt, in dem später auch Studenten wohnen können –  das finanziert sich anders als eine Containeranlage“, sagt Rehfuss. Auch eine Nachbarin nutzt die Gelegenheit, sich das Haus anzusehen. Sie hat keine Vorbehalte, kennt aber andere, die zuvor die Sorge gehabt hatten, das Haus könne sehr groß ausfallen.
Austausch mit Bürgermeister Ehret und Flüchtlingshelfern In Mauer erwartet Bürgermeister John Ehret zusammen mit Rasso Bruckert, Initiator der Initiative Menschen für Mauer, und weiteren Ehrenamtlichen den Abgeordneten bereits. Hier sind 16 Flüchtlinge aus etlichen Ländern in der Anschlussunterbringung, zwei weitere werden noch erwartet. In der Augasse hat die Gemeinde eigens ein Haus gekauft und saniert. Das Engagement ist groß und funktioniert im Austausch mit Nachbargemeinden gut. Die AWO beispielsweise betreibt in Kooperation mit Bammental am Bahnhof einen Second Hand Laden. Doch es gibt auch noch offene Fragen. Etwa warum ein wöchentlicher Treffpunkt für die Flüchtlinge nicht angenommen wurde oder wie sich kurzfristig Möbeltransporte organisieren und finanzieren lassen. „Vernetzung ist bei der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit alles“, weiß Petra Groesser. Informationen, Tipps und Kontakte werden zwischen den verschiedenen Flüchtlingskreisen ausgetauscht. Der Abgeordnete weist auch auf das „Handbuch Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe“ und den frisch herausgegebenen Integrationsleitfaden des Landes hin.

Bürgermeister Ehret treibt noch etwas anderes um, nämlich die geplante Containerunterkunft im benachbarten Meckesheim, wo 200 Männer aus einer Sinsheimer Notunterkunft Platz finden sollen. In Meckesheim habe sich ein Privatinvestor ans Landratsamt gewandt, die Gemeinde wurde darüber nur informiert. Selbst Leute, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, hielten den Standort für nicht geeignet. Katzenstein, ein erklärter Gegner einer solch geballten Unterbringung, bemerkt, er habe sehr gehofft, dass aufgrund des stark nachgelassenen Zugangs die Containerunterkunft nicht komplett, sondern nach Möglichkeit nur zur Hälfte belegt werde.

Containerunterkunft in der Dieselstraße in MeckesheimWarten auf den Einbau-Flüchtlingsunterkunft in der Dieselstraße in Meckesheim

Ehret pflichtet ihm bei. Er würde begrüßen, wenn der Rhein-Neckar-Kreis die Unterkunft nur mit höchstens 150 Personen belegen würde und die anderen dezentral in anderen Gemeinden untergebracht werden könnten. „Wir haben noch Wohnungen frei“, bietet der Bürgermeister an. Er stellt außerdem in Aussicht, dass sich bei der Betreuung der Meckesheimer Flüchtlinge auch Nachbargemeinden einbringen könnten.

Diskussion um Containerunterkunft in MeckesheimIn der Dieselstraße in Meckesheim trifft Katzenstein Bürgermeister Hans-Jürgen Moos, der von der zurückliegenden Informationsveranstaltung mit dem Kreis berichtet. Diese sei gut und sachlich verlaufen, zeigt er sich zufrieden. Er macht geltend, dass die Container im Vergleich zur Notunterkunft einen deutlichen Fortschritt darstellten. Die Lage sei gut und einige Gewerbetreibende suchten noch Leute. „Die scharren bereits mit den Hufen.“Beate Germann von der Investorenfamilie zeigt die Baustelle mit den beiden zweigeschossigen Containerreihen und Moos lobt die Bauweise und weist auf die Dämmung hin. Katzenstein studiert den Übersichtsplan und fragt nach Internetanschluss und Fahrradabstellmöglichkeiten. „Da hätte Familie Asanovic will in Meckesheim bleiben nicht dran gedacht“, sagt Germann und verspricht, einen Container zum Abstellen und Reparieren von Fahrrädern offen zu lassen. „Allein dafür hat es sich gelohnt“, freut sich der Abgeordnete.

Bei der Katholischen Kirche trifft er Familie Asanovic, die seit April vergangenen Jahres in Meckesheim lebt. Die Familie sei gut integriert und arbeitswillig und werde in der Gemeinde gewertschätzt, betont Edith Wolber vom Arbeitskreis Asyl. Doch trotz zahlreicher Unterstützungsschreiben von Vereinen, Kirchen, der Gemeinde und Freunden sei die Petition gegen die Abschiebung abgelehnt worden. Nun will Wolber es über die Härtefallkommission probieren.

„Im Pass steht Serbien, aber ich bin Roma“, sagt Sana Asanovic. Er erzählt, dass er und seine Familie in Serbien massiver Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt waren und dass seine Kinder dort keine Chance hatten, die Schule zu besuchen weil sie von anderen Jugendlichen ausgegrenzt und misshandelt wurden. „Erst seit sie hier sind haben sie lesen und schreiben gelernt. Auch dank der vielen Ehrenamtlichen, die mit ihnen Deutsch geübt haben. Sie gehen zur Schule und zum Fußball, lachen und spielen mit anderen Kindern“, berichtet er in gutem Deutsch. Katzenstein wendet sich direkt an die Kinder. „Hier haben wir Freunde“, sagt die vierzehnjährige Vanessa. „Zuhause“ – das sei nicht Serbien.

Serben und Roma, das sei ein spezielles Thema, betont Wolber. „Ich weiß wie sie gezeichnet sind.“ Die Kinder hätten schon Vieles durchgemacht und seien traumatisiert. Die Familie sei bestrebt, ganz viel zurückzugeben und sei sehr hilfsbereit. Das können weitere Teilnehmer nur bestätigen. „Ich habe in Meckesheim noch Niemanden kennen gelernt, der so freundlich ist“, sagt Jemand.

Katzenstein bietet an, als Abgeordneter ein Schreiben an die Härtefallkommission zu richten, den sehr guten Eindruck, den er von der Familie hat zu vermitteln und klar zu machen, dass die Kinder nur hier in Deutschland zur Schule gehen können.

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