Wie gefällt euch die Gemeinschaftsschule?

Rückendeckung für die Gemeinschaftsschule

Ruhiges Fahrwasser ist das, was sich Schulleiter Mathias Schmitz für seine Gemeinschaftsschule wünscht. Doch seit die Ergebnisse des Ländervergleichs bekannt geworden sind, schlagen die Wellen in der Schulpolitik erneut hoch. Auch die neue Schulart ist von der Unruhe betroffen. Zu Unrecht, wie der grüne Landtagsabgeordnete Hermino Katzenstein bei einem Besuch der Kraichgauschule Mühlhausen feststellt.

„Wir stehen voll und ganz zu der Gemeinschaftsschule“, zitiert er Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einem Gespräch mit dem Schulleiter, den örtlichen Grünen-Gemeinderäten Gerhard Welker und Bernhard Drabant, sowie dem bildungspolitischen Sprecher des grünen Ortsverbands Andreas Leitheußer.

Rektor Mathias Schmitz, Andreas Leitheußer (B90/Grüne), MdL Hermann Katzenstein, Klassenlehrerin Sandra Heiserer, Gemeinderäte Gerhard Welker und Bernhard Drabant

„Die Gemeinschaftsschule läuft sehr gut, es gibt nur positive Rückmeldungen und der Leistungsstand ist gegeben“, vermeldet der Schulleiter. Die neue Schulart werde von engagierten Kolleginnen und Kollegen quasi nebenher aufgebaut, ohne dass es dafür zusätzliche Ressourcen gebe. „Sie leisten Pionierarbeit, ohne 50-Stunden-Woche geht da keiner raus“, sagt Schmitz. Dass die Gemeinschaftsschule von manchen Konservativen schlecht geredet werde sei „nicht gerade motivierend.“

Leitheußer ärgert, dass das Abschneiden Baden-Württembergs beim Ländervergleich mit der neuen Schulart in Zusammenhang gebracht wurde, obwohl kein einziger Gemeinschaftsschüler getestet wurde. „Wir hoffen sehr, das sich das schnell wieder beruhigt“, so Katzenstein.

Schmitz sieht aber auch Verbesserungspotenzial und wünscht sich ein Mitspracherecht bei der Lehrereinstellung und mehr Flexibilität, etwa durch die Möglichkeit, für bestimmte Aufgaben auch Hilfskräfte ohne zweites Staatsexamen einsetzen zu dürfen. In Rheinland-Pfalz habe jede Schule ein Budget für externe Verträge.

Nach der Gesprächsrunde informiert sich der Abgeordnete noch bei den jungen Experten. Die Schüler der Klasse 5b haben gerade Englischunterricht als sich der Politiker ihnen vorstellt. „Wie gefällt euch die Gemeinschaftsschule?“, fragt er und gleich schnellen ein Dutzend Finger nach oben. „Wir besprechen alles gemeinsam und arbeiten dann selbständig an den weißen Tischen, das finde ich gut“, sagt eine Fünftklässlerin und einer anderen gefällt, dass es verschiedene Levels gibt und sie auf ihrem Niveau arbeiten kann. Ein Schüler lobt den Tagesrückblick: „Da tragen wir ein, was wir gemacht haben und ob das gut gelaufen ist. Das müssen dann auch die Eltern anschauen.“ Eine Schülerin begeistert sich für das „Lernbüro“. Auf Nachfrage des Abgeordneten erläutert sie: „Ich trage in mein Lerntagebuch ein, was ich für Aufgaben habe und arbeite dort daran.“

 

Katzenstein zeigt sich sehr angetan von den durchdachten Antworten und dem souveränen Auftreten der Schüler und sagt: „Ihr lernt, eigenverantwortlich zu arbeiten und habt dabei immer die Möglichkeit, eure Lehrerin zu fragen – das hätte ich mir als Kind auch gewünscht. Dass ihr in eurem Tempo arbeiten könnt, das finde ich prima.

Bei einem Rundgang wirft der Abgeordnete einen Blick ins „Lernbüro Hawai“, in dem die Hängematte nur eine Wanddekoration ist, und erfährt, dass man für den Zugang einen Arbeitsplatzführerschein bestehen muss. „Drei Mitschüler und drei Fachlehrer müssen bestätigen, dass der Bewerber es schafft, selbständig und konzentriert zu arbeiten“, erläutert eine Lehrerin. Und nur wer in der Lage ist, seinen Arbeitsplatz ordentlich zu halten, darf „nach Hawai“. Als Zeichen, dass sie klar Schiff gemacht haben, haben die Schüler auf ihren Schülerarbeitsplätzen im Klassenraum den grünen Plastikbecher auf den roten gestellt. Nur auf einem befindet sich der rote Becher noch oben. Mit Blick auf Hefte, Stifte und Brotdose sagt die Lehrerin, da sei jemand vor der Pause noch nicht zum Aufräumen gekommen.

Schulleiter Schmitz treibt noch eine andere Sache um: Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember müssten Schüler aus Rettigheim eigentlich den Unterricht sieben bis acht Minuten vor Ende der 6. Stunde verlassen. Schmitz erläutert die Hintergründe. Die Einführung von Tempo 30 in der Hauptstraße habe dazu geführt, dass auf der Linie 702, die den Bahnhof Wiesloch/Walldorf über eine Runde durch den Kraichgau mit dem S-Bahn-Halt Rot/Malsch verbindet, der Stundentakt nicht mehr hätte eingehalten werden können. Daher sei die Schleife über Rettigheim gestrichen worden. Den Rettigheimer Schülern bleibt der Kurzläufer (Linie 704), der von Mühlhausen über Rettigheim und Malsch zur S-Bahn Rot/Malsch fährt. Allerdings fährt der schon um 13.03 Uhr bei der Kraichgauschule ab – die 6. Stunde dauert aber bis 13.05 Uhr.

Dazu regt Bernhard Drabant an, den Bus 704 ohne Halt durch Malsch durchfahren lassen: Malsch brauche diese Verbindung nicht und beteilige sich auch nicht finanziell daran. Der Bus könnte dann später starten und würde trotzdem rechtzeitig am S-Bahn-Halt ankommen. Und die Schüler würden keinen Unterricht mehr verpassen.

 

 

 

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