„Die Partner im Naturschutz zusammenbringen“

Für Hermino Katzenstein sind die Sandrasengebiete der Schwetzinger Hardt etwas Neues. Und so lernt der Abgeordnete beim Vor-Ort-Termin auf dem Maulbeerbuckel in Walldorf viel über die Pflege dieser Gebiete. Nicht nur von Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann, der sich als gebürtiger Schwetzinger und langjähriger Nabu-Landeschef intensiv mit den heimischen Sandbiotopen beschäftigt hat, sondern auch von den örtlichen Fachleuten von Stadt, Nabu, Forst und Schule, die hier in vorbildlicher Weise zusammenarbeiten.

„Der Umweltschutz, die Fauna und Flora, haben mich schon als Kind bewegt – wortwörtlich“, sagt Katzenstein. Er erzählt, wie seine Eltern, die beide Biologielehrer waren, im Wanderurlaub mit Kosmos-Naturführer auf Pirsch gingen. „Damals mussten wir auf der Fahrt in die Berge noch anhalten, um Windschutzscheibe und Scheinwerfer sauber zu bekommen, so viele Insekten gab es“, so der Abgeordnete. Die intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden habe dazu geführt, dass die Zahl der Insekten, und mit ihnen auch die vieler Vögel, dramatisch zurückgegangen sei.

„Die Schöpfung bewahren“, dieser Leitsatz habe ihn geprägt, sagt Katzenstein und ergänzt: „Spätestens seit dem Physikstudium mit Schwerpunkt Umweltphysik ist mir eindringlich klar, dass wir alle uns noch viel mehr anstrengen müssen, um den Klimawandel, der eindeutig Menschen gemacht ist, im noch erträglichen Rahmen zu halten. Dies sind wir den nachfolgenden Generationen bei uns und in den besonders betroffenen Ländern schuldig. Gerade wir in Deutschland und wir in Baden-Württemberg, die wir einen großen Anteil am Klimawandel hatten und haben, sind in der Pflicht. Wer, wenn nicht wir in unserem hochtechnologisierten und innovativem Land, soll die Klimawende hinbekommen?“

Auch wenn sie unterschiedlichen Ministerien zugeteilt wurden, sei eine gute Zusammenarbeit von Naturschutz, Forst und Landwirtschaft sowie Tourismus weiterhin unerlässlich, betont Katzenstein. Im Rhein-Neckar-Kreis gebe es hierzu sehr gute Ansätze. Mit dem Regionalen Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt, aber auch mit den Landschaftserhaltungsverbänden, die – vom Land gefördert – die verschiedenen Partner im Naturschutz auf regionaler Ebene zusammenbringen.

Andre Baumann bezeichnet die Binnendünen der Schwetzinger Hardt als wertvollen Lebensraum: „Hier gibt es eine Natur, die in Baden-Württemberg Ihresgleichen sucht. Für die haben wir Kurpfälzer eine besondere Verantwortung.“

Später im Kulturhaus Wiesloch begrüßt Bundestagskandidat Memet Kilic im Namen des Kreisverbandes Odenwald-Kraichgau die Gäste und bemerkt: „Auf Landesebene tut sich was.“ Baumann skizziert die Grundzüge der Umwelt- und Naturschutzpolitik des Landes und demonstriert im Lodenjanker Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit. Zufrieden stellt der Biologe fest, das Thema Nachhaltigkeit ziehe sich „wie ein grün-schwarzer Faden durch den Koalitionsvertrag“.

„In den nächsten viereinhalb Jahren werden wir den Naturschutz weiter voranbringen“, verspricht Baumann und zählt auf: Die Erhöhung des Naturschutzetats von 30 auf 60 Millionen Euro, das erste Klimaschutzgesetz eines Landes und die Effizienzstrategie Baden-Württemberg, mit der das Land Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum voneinander abkoppeln will.

Nutzen sollte Baden-Württemberg vor allem seine eigenen Ressourcen: Erfindergeist, Sparsamkeit und Mut. Das Land habe vorbildliche Regeln für den naturverträglichen Ausbau der Windenergie und sei von der Sonne verwöhnt. Doch die derzeitigen Förderbedingungen für PV-Anlagen seien nicht ideal.

Als nicht nachhaltig prangert er Merkels Agrarpolitik an. 60 Milliarden Euro an EU-Subventionen flössen in eine fehl geleiteten Landwirtschaftspolitik und man müsse dann noch mal viel zahlen um die entstandenen Schäden zu reparieren. „Das ist absurd.“

Von der neuen Bundesregierung erwartet Baumann eine Agrarpolitik, die mit weniger Pestiziden auskommt und nicht auf Kosten der Landwirte und der Umwelt geht.

 

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