Die Stimmung aus dem Handwerk auf- und mitnehmen

Der Landtagsabgeordnete Hermino Katzenstein (Bündnis 90/ Die Grünen) hat zu einem handwerkspolitischen Tag  seinen Fraktionskollegen Martin Grath, handwerkspolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion, in seinen Wahlkreis eingeladen.

Bei einem einführenden Gespräch bei der Handwerkskammer in Mannheim mit dem Präsidenten Alois Jöst und seinem Stellvertreter Klaus Hofmann ging es u.a. darum, wie allgemein die Attraktivität des Handwerks – z.B. für junge Leute als Alternative zur akademischen Ausbildung – gestärkt werden könne. Dazu will die Handwerkskammer zukünftig vor allem in den Schulen Werbung machen und darüber nachdenken, wie beispielsweise Arbeitszeiten flexibler gestaltet werden können.

Auch das Thema Verkehrswende und Mobilität betrifft das Handwerk. Die beiden grünen Politiker verwiesen darauf, dass batteriebetriebene Mobilität für die Branche, die eine Selbstverpflichtung zur Mitwirkung an der Energiewende abgegeben hat, nur dann sinnvoll sei, wenn ihr erneuerbare Energien zugrunde lägen. Außerdem brauche man Fahrzeuge mit einer hohen Reichweite und eine dichte Ladeinfrastruktur, ergänzten die Vertreter der Handwerkskammer.

Der Verkehrspolitiker Katzenstein ermunterte die Betriebe, proaktiv auf die Hersteller zuzugehen: „Die Autohersteller müssen wissen, welche Fahrzeuge das Handwerk braucht, damit sie das Angebot entsprechend ausrichten können.“ Denn es gelte der Grundsatz „Die Nachfrage bestimmt das Angebot.“

Bei den anschließenden Betriebsbesuchen im Wahlkreis kamen diese Themen ebenfalls zur Sprache.

Die Bäckerei Hünnerkopf mit Sitzen in Neckargemünd und Bammental hat, zumindest was die betriebliche Übernahme angeht, keine Probleme: hier übernimmt der Sohn das elterliche Geschäft.

Mitarbeiter und Auszubildende zu finden werde dennoch immer schwieriger im Bereich der Lebensmittelhandwerker. Aktuell wird versucht, die Attraktivität des Berufes zu verbessern, indem beispielsweise die Nachtarbeit reduziert werden soll. Weitaus kritischer sei jedoch, dass durch den Bau von Umgehungsstraßen und den Neubau von immer mehr Supermärkten mit integrierten Bäckereien an den Ortsrändern, die Innenstädte vom Aussterben bedroht sind und die innerörtlichen Bäckereien oftmals um ihre Existenz bangen müssen. „Lidl& Co. verkaufen Backwaren zwar halb so teuer, aber leider nicht halb so lecker“ bestätigte MdL Grath, der selbst vor vielen Jahren eine Biobäckerei gegründet hat.

Katzenstein erkundigte sich außerdem nach der Bereitschaft künftig für die Auslieferung auf ein Elektrofahrzeug, wie den E-Scooter aus Aachen, umzusteigen. Dies werde, wenn die Größe des Wagens ausreichend und die Ökobilanz durch die Nutzung von sauberem Strom positiv sein sollte, durchaus als Möglichkeit in Betracht gezogen, sagte Frau Hünnerkopf.

Katzenstein vereinbarte am Ende des Gesprächs mit den Inhabern, im Sommer ein Praktikum zu absolvieren, um einen besseren Einblick in das Bäckerhandwerk zu bekommen.

Über Nachwuchsmangel und fehlende Wertschätzung des Handwerks klagten sowohl Dennis Mosolf, Inhaber der Schreinerei Mosolf im Schreinerdorf Eschelbronn, als auch Sören Vollmer vom Sanitärbetrieb Vollmer in Reichartshausen. Es gelte, die Qualität der Ausbildung zu verbessern und  in den Schulen für das Handwerk zu werben.

Den Schreinerbetrieb hat Mosolf, der aus dem Yachtausbau kommt, vor einigen Jahren übernommen. Er fertigt individuelle Kindergartenmöbel und ist im gehobenen Innenausbau tätig. Eschelbronns Bürgermeister Marco Siesing konnte Mosolfs Kritik, dass es für kleine, lokale Betriebe schwer sei, bei Ausschreibungen den Zuschlag zu bekommen, zwar bestätigen. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass die von dem Betrieb angebotene Qualität, Individualität und Liefertreue von der Gemeinde sehr geschätzt werden. Daher können im Wettbewerb die lokalen Produkte letztendlich überzeugen.

Beeindruckt waren die Abgeordneten von der Art und Weise, wie sich das Team des Sanitärfachbetriebs Vollmer in Reichartshausen präsentierte: „Genauso muss es sein. Sie sind ein gutes Aushängeschild für Ihre Branche“, stellte Martin Grath fest, als er die in der Halle aufgestellten Fahrzeuge und Werkzeuge in Augenschein nahm.

Hermino Katzenstein begeisterte sich für die im Betrieb umgesetzte Digitalisierung der Aufträge. Diese werden digital verwaltet, direkt an die mobilen Geräte im Auto gesendet und von dort aus wieder ins Büro. Vollmer hat sich auch auf den Einbau von Biomasse-Heizungen im Zuge des E-Wärme-Gesetzes spezialisiert, das einen Anteil vom 15 Prozent regenerativen Energien bei Einbau einer neuen Heizungsanlage vorschreibt.

Der Betriebsinhaber nutzte den Besuch der Abgeordneten, die auch den neu gewählten Bürgermeister Gunter Jungmann mitgebracht hatten, darauf aufmerksam zu machen, dass er zunehmend mit der Erfüllung bürokratischer Pflichten zu kämpfen habe und darin immer mehr Arbeitskraft investieren müsse.

Auf das Thema Fahrverbote  angesprochen konnte Katzenstein beruhigen, dass Handwerker, die in Stuttgart zum Kunden fahren, davon ausgenommen sind. Vollmer bekräftigte, gerne bereit zu sein, alternative Antriebe zu nutzen, unterstrich aber, dass es in diesem Bereich im Moment keine Alternative zu Dieselfahrzeugen gebe, die die benötigte Zugkraft bieten können. Auch hier ermunterte Katzenstein, dass die Unternehmen auf die Hersteller zugehen müssen, um ihren Bedarf anzumelden.

 

Die beiden Abgeordneten zeigten sich am Ende des Tages sehr zufrieden  mit den Einblicken in das Handwerk im Wahlkreis Sinsheim und Hermino Katzenstein dankte seinem Gast Martin Grath für die Bereitschaft, mit seiner Fachkompetenz zu einem gelungenen Handwerkstag beizutragen.

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