Den eigenen Lernweg finden

Das, was man selbst macht, behält man am ehesten. Die Erkenntnisse der Dalton-Pädagogik macht sich die Gerbersruh-Gemeinschaftsschule in Wiesloch zu eigen und ermöglicht es ihren Schülern, selbständig und im eigenen Tempo zu lernen. „Die Gemeinschaftsschule ist die Schulart, die ich mir als Lehrerin gewünscht habe“, sagt Schulleiterin Bärbel Kröhn beim Besuch des Grünen Landtagsabgeordneten Hermino Katzenstein.

Zugleich merkt sie an: „Eltern verfolgen, was bildungspolitisch geschieht und machen sich Gedanken.“ Das weiß auch der Abgeordnete, der gekommen ist um klarzustellen: „An den Gemeinschaftsschulen wird nicht gerüttelt, der Koalitionsvertrag gilt.“ Egal was manche Konservative äußerten, die Gemeinschaftsschule sei die Schulart der Zukunft und gebe die passenden Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Doch wie läuft es in der Praxis? „Den eigenen Lernweg zu finden, das ist eine große Herausforderung“, weiß Lehrerin Christine Ebbinghaus. Das Konzept der heterogenen Lerngruppen funktioniere prima, berichtet sie. „Die Schülerinnen und Schüler durchdringen das Thema auf ihrem Niveau und erarbeiten sich Kompetenzen“, ergänzt ihre Kollegin Tamara Oser. Eltern können nachvollziehen, was ihr Kind in der Schule macht. „Die Elternschaft ist sehr engagiert, fast alle Eltern sind bei den Elternabenden dabei“, sagt sie.

Schülerinnen erzählen, wie ihr Schulalltag abläuft. Am Montagmorgen schon eine halbe Sunde vor dem eigentlichen Unterrichtsbeginn um 8.30 Uhr beginnt das sogenannte „Coaching“. „Wir führen Lerntagebücher und halten fest, was wir erreichen müssen und was wir gemacht haben“, sagen sie. Dabei würden Ziele formuliert wie: Ich möchte lernen, schneller zu arbeiten. „Das hat seine Vorteile, man kann sich was vornehmen und wenn man das schafft freut man sich“, ergänzt eine andere. Von den Lehrer kämen Rückmeldungen, wie: „In Englisch bist du gerade auf der Überholspur.“

Nach der Mittagspause finden bis 15.20 Uhr AGs und Wahlfächer statt, die Schüler können Italienisch lernen, Gitarre-Spielen, Singen, Schauspielen, Experimentieren, Nähen und Sport treiben oder auch mal Entspannen. Danach ist Zeit, den Stoff nachzuarbeiten und Vokabeln zu üben. Um 16 Uhr geht’s ab nach hause – ohne Hausaufgaben.

„Während meine Freundin am Gymnasium noch essen und dann Hausaufgaben machen muss, habe ich nach der Schule frei“, freut sich Tracy. Wer nicht das Glück habe, dass ihm die Eltern bei den Hausaufgaben helfen können, sei am Gymnasium benachteiligt, bemerkt Eppinghaus. „Hier bei uns haben sie Hilfe, das hat auch viel mit Bildungsgerechtigkeit zu tun.“

Schulleiterin Kröhn spricht aber auch die hohe Belastung an, die mit der Entwicklung der Gemeinschaftsschule seit dem Schuljahr 2015/16 verbunden ist. „Das ist wie Gleisarbeiten am laufenden Zugbetrieb, ich wünsche mir da mehr Sicherheit.“ Angesichts der unterschiedlichen Besoldung von Lehrkräften nennt sie ein weiteres Anliegen: „Eine angemessene Bezahlung für alle wäre A13.“

„Das gebe ich gerne weiter“, sagt Katzenstein und fragt nach einem besonderen Schwerpunkt der Gerbersruhschule, der Berufsorientierung. Zuständig ist Miriam Pflüger, die berichtet, dass es zwei Berufslotsen gibt. Die Berufsorientierung fange schon in Klasse 7 an. „Die Agentur für Arbeit und die Stadt unterstützen uns, vieles geht über Beziehungen“, sagt sie.

„Gibt es noch Wünsche an die Landespolitik?“, fragt der Abgeordnete. Die Betreuung im Mittagsband muss geregelt werden und die Schule braucht mehr Mittel für Jugendbegleiter und Personalrekrutierung, erfuhr er.

 

 

 

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