27. Mai – von Rijeka über Krk nach Lopar auf Rab

Rijeka ist doch ganz interessant. Als wir gestern müde herunter- und hineinfuhren, landeten wir zuerst in einer Gegend, die Belvedere oder so ähnlich heißt. Einen guten Blick über die Stadt und das Meer hat man sicherlich von den oberen Stockwerken der dortigen Hochhäuser. Aber sie sind – mal ganz abgesehen von der Ästhetik – in einem Zustand, dass ich mich dort gar nicht hochtrauen würde. Wirklich unglaublich. Geselliges Leben findet in dem Stadtteil jedoch Platz: Eine gute besuchte Cafébar an der Anderen. Heute morgen im Zentrum sind wir bei einem kurzen Spaziergang erstaunt – es wirkt sehr großzügig, städtisch, mit vielen historischen Gebäuden. Etwas wild gemischt tauchen auch Neubauten und halb zerfallene Häuser, Parkplätze, kleine Kapellen und Hochhäuser auf – die Stadt hat hier durchaus Atmosphäre, wirkt lebendig und man sieht verschiedene kreative Gestaltungsversuche durch kleine Geschäfte und große Hoteliers. Das Zentrum ist durch eine viel befahrene Straße vom Hafen getrennt, an dem großspurige Gebäude wie das der Schiffslinie Jadrolinija protzen. Jachten und Hotelschiffe, den Containerhafen mit seinen riesigen Kränen und die großen Schiffswerften sehen wir dann beim Herausfahren aus Rijeka.

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[Die Hochhäuser in Belvedere vom Zentrum aus gesehen; Mittel und links: Einkaufsgegend im Zentrum]

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[Beim Herausfahren aus Rijeka: Andere Hochhäuser, Containerhafen, Schiffswerk – leider nicht so gut zu sehen, weil aus dem Fahren geschossen].

Um die befahrene D8, die Küstenstraße Krotiens zu vermeiden, entschließen wir uns, eine Nebenstraße oberhalb zu befahren – heftig wellig, aber schön – schon auf den ersten Kilometern haben wir 250 Höhenmeter „im Kasten“. Später müssen wir auf die Küstenstraße zurück, aber in diesem Abschnitt geht es ganz gut. Bei dem Ort Bakar müssen wir in einem großen Rechteck um eine Bucht herumfahren – hätten wir hupfen können oder hätten die Kroaten eine Brücken gebaut, wären es 100 Meter gewesen – so sind es eine Reihe von Kilometern. Und der Wind! Wir vermuten, es ist die berühmte Bora, ein ablandiger kräftiger Wind in Koratien. Manchmal fahren wir im Schutz der Berge oder Felsen und merken ihn gar nicht. kommt er uns entgegen, müssen wir kämpfen. Und als ich an einem Küstenabschnitt gerade anhalten will, kommt in diesem Moment eine Böe und bläst mich um. Oh, wie dumm, im rechten Bein ein Krampf und ich liege tatsächlich und das Fahrrad auf mir.

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[Bucht bei Bakar; Hermino auf der Brücke nach Krk]

Schließlich erreichen wir die Brücke auf die Insel Krk. Hermino bläst fast davon. Es sieht toll aus, wenn man zwischen zwei riesigen gelben Felsen auf die Insel fährt. Aber romantisch und verkehrsarm – wie wir uns das Inselhüpfen vorgestellt haben – ist es bei bestem Willen nicht. Solange wir auf der Bundesstraße fahren, und das lässt sich nur teilweise vermeiden, überlegen wir, ob die Küstenstraße (D8) nicht vorzuziehen gewesen wäre. Auf den Nebenstraßen ist es schön. Und wellig ist das Eine und das Andere – der Karst, das hier typische Gestein, sorgt mit seinen Verwitterungseigenschaften dafür.

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[Gässchen in einem kleinen Ort auf Krk]

Auf Krk herauf kommt man zwar auf der Brücke, aber auf der anderen Seite von Krk herunter geht es nur per Schiff. Oder schwimmend, aber das trauen wir uns mit den Fahrrädern nicht zu. Die Fähren nach Rab, wo wir hinwollen, fahren selten, um 7.45 Uhr (das haben wir deutlich verpasst) und um 18.20 Uhr. Wir kommen mit reichlich Vorsprung am Fährhafen an und beobachten die riesigen Pötte, die hier verkehren. Auch unsere Fähre hat allein zwei Autodecks, von denen nur eines spärlich genutzt ist, einen riesigen Aufenthaltsraum und etliche Sitze draußen. Wir setzen uns vorne aufs Oberdeck, halten es mit einem anderen windfesten Paar dort immerhin eine dreiviertel Stunde aus, dann sind wir so durchgeblasen und kalt, dass wir uns ins Innere flüchten.

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Nach etwas mehr als anderthalb Stunden Fahrt kommen wir in Lopar auf Rab an, einem winzigen Örtchen an. Wir können die Apartmani-Angebote gar nicht zählen. Alle Kroatinnen und Kroaten scheinen Säulengeländer zu lieben oder sie glauben, die Touristen würden von ihnen angezogen. Vielleicht sind sie auch einfach im Baumarkt im Dutzend billiger. Jedenfalls dominieren sie die traditionellen verputzten und Feldsteinhäuser – schade. Wir fragen nach einem Zimmer und unser „Berater“ weiß sofort eines, im nächsten Haus gleich, bei seiner Cousine. Sie bietet uns für 30 Euro (Touristen werden die Preise sehr häufig in Euro statt in Kuna angegeben) ein sehr nettes Zimmer an – mit Säulengeländerbalkon! Später im Fischrestaurant treffen wir unseren „Berater“ wieder – auch der hervorragend deutsch sprechende Wirt ist angeblich ein Cousin von ihm.

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54 km 680 hm

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