25. und 26. Juni – AUF dem Ätna

Nach der Siesta brechen wir erst gegen 13.00 Uhr auf und gucken uns die Umgebung an. Die “Funivia” (die Seilbahn), die einen von 1.900 Metern auf ca. 2.500 Meter Höhe bringt, soll 25 Euro pro Person kosten – selber Hochsteigen geht auch, ist aber mühsam. An der Seilbahnstation, wo wir schließlich nach 14 Uhr ankommen, werden wir gefragt, ob wir “tutto” wollen, also zusätzlich noch die Fahrt mit Allradbussen weiter hoch sowie eine Führung. Das wären jeweils 52 Euro mit der Verbilligung durch die Hotelkarte, die wir vorzeigen. Geht denn das noch um diese Zeit, wenn die letzte Bahn schon um 16.30 Uhr zurückfährt? Doch doch. Hm. Wir hatten uns eigentlich für eine Exkursion am nächsten Tag zu Fuß entschieden statt für den Massentourismus auf den Gipfel. Andererseits: Wahrscheinlich werden wir nur einmal im Leben auf dem Ätna sein. Schnell entschieden – wir fahren mit. Aus der Gondel heraus haben wir einen umwerfenden Blick auf das kleine Plateau mit unserer Unterkunft (welche zunehmend in Wolken verschwindet)  und die beiden „monti silvestri“, zwei Krater, die bei einem Ausbruch 1892 entstanden.

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Oben ist alles schwarz. Lavamassen, Asche und Lavastaub. Wir steigen mit 25 anderen Tourist/inn/en in einen Allradjeep-Bus um und werden noch einmal 300 bis 400 Meter weiter hoch gefahren. Oben erblicken wir dann die eigentlichen Gipfelkrater aus der Nähe. Was von der Bergstation wie Pflanzenbewuchs aussah entpuppt sich als Schwefelablagerung: an einem der vier Gipflekrater gab es vor vier Wochen einen Ausbruch. Daher und da der Vulkan zu viele Gase emitiert ist der Zugang weiträumiger abgesperrt als sonst. (Direkt an die Krater heran kann man sowieso nicht.). Doch wir besteigen den auf knapp 3000 Meter Höhe liegenden Rand der 2002 aktiven Krater, und sind sehr beeindruckt. Hermino fordert gleich auf, Dantes Inferno zu zitieren, es kann aber niemand auswendig.

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Der Wind bläst uns fast vom Kraterrand, so stark ist er und da dieser Ausflug spontan entstand, haben wir nur die dünnen Windwesten dabei. Zum Glück scheint die Sonne, so dass wir nicht ganz auskühlen. Vom Rand des Kraters blicken wir über die zuvor befahrene Serpentinenpiste in Richtung Meer – welches heute leider unter der dichten Wolkendecke verborgen bleibt. Unser freundlicher Führer erklärt dreisprachig und zeigt uns blau-schimmernde Steine – Ursprung der Farbe sind Aluminiumablagerungen. Den Abend beenden wir mit einem ordentlichen Essen im Hotel (drei Gänge für 20 Euro sind OK, im Gegensatz zu dem Hotel in Kalabrien) und genießen dazu einen wunderbaren Rotwein aus der Umgebung. In der Nacht ist dann eines abesonders auffällig: die absolute Stille! Keine Grillen, keine Vögel, keine lärmenden Italiener oder deren Fahrzeuge – und vor allem: keine kläffende Hunde! Himmlisch…

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Der nächste Morgen beginnt mit einer Enttäuschung: Wir hatten eine kleine, ca. dreistündige Wanderung gebucht. In der E-Mail mit dem erläuternden Text stand als Beginn 10:30 Uhr, was unserem Schlafbedürfnis und dem Wunsch nach gemütlichen Aufstehen natürlich sehr entgegen kam. Der Führer hatte dann nochmal geschrieben, er würde uns um 9:30 Uhr am Hotel abholen. Die zweite Uhrzet hatte ich (Hermino) irgendwie überlesen. So ein Mist! Durch einen Anruf beim Büro bekommen wir seine Handy-Nummer, können ihn hier oben aber nicht wirklich erreichen. So beschließen wir, auf eigene Faust loszugehen, vielleicht finden wir die Gruppe ja noch. Aber wo sind die lang? Wir entscheiden uns dank unserer digitalen Karte für die Richtung der Monti Silvestri. Diese sind leicht zu erreichen, dementsprechend voll ist der Weg. Ha! – ein recht frisches Lavafeld zur Linken passt zu der Beschreibun in der E-Mail. Es führt ein kleiner Pfad hindurch, den die anderen Leute nicht nehmen. Nach einigen Minuten entdecken wir deutlich (!) oberhalb von uns zwei Gruppen, vielleicht ist ja eine unsere? Henriette legt (in ihrer Enttäuschung) einen Affenzahn vor, ich komme kaum hinterher, geschweige denn zum Fotografieren. Dann müssen wir uns entscheiden – Henriette wählt die entferntere Gruppe, die gerade auf einem Krater, geschätzt 150 Meter über uns, herum läuft. Na prima. Wir verlieren den Pfad und kraxeln in Serpentinen hoch, was gar nicht so leicht ist, denn der Abhang besteht aus einem  sehr locker aufgeschüttetem Gemisch aus Asche und leichtem Gestein. Der Doppelkrater entstand beim letzten größeren Ausbruch 2001-2003 und die Steine weisen vielfältige Farben auf. Über die scharfe Kante sehen wir zurück auf die Silvestri-Berge.

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Wir kommen an eine weitere Abbruchkante und haben die Gruppe aus den Augen verloren – doch nein, auf der anderen Seite des von Wolken durchzogenen Aschefeldes krabbeln Leute den Hang hinauf. Und sind gar nicht so weit entfernt. Ein kleiner Spurt, wir erreichen die Gruppe und es stellt sich heraus, dass es in der Tat die unsere ist. Juchheee! Gemeinsam geht es weiter, das gemütliche Tempo ist für uns die reinste Erholung und wir können mit einem deutschen Paar plaudern und stellen fest, dass diese auch in unserem Hotel übernachten. Nach kurzer Zeit erreichen wir den Rastplatz, der an der Kante des „valle del bove“, also des „Tales der Ochsen“ liegt. Tal ist untertrieben, mehrere 100 Meter unter uns liegt ein ca. 5,5 km  mal 7 km  großes Gebiet, welches (u.A.) durch einen gewaltigen Erdrutsch entstanden ist. Der Ätna und seine beiden prähistorischen Vorgänger liegen nämlich auf einer lehmhaltigen Sedimentschicht, die wasserundurchlässig ist – im Gegensatz zu den Vulkaniten. somit gleitet das Massiv auch heute noch mit ca. 3cm pro Jahr in Richtung Meer. Dieser Erdrutsch reichte bis ins Meer hinein und löste damit vor 6000 Jahren einen gewaltigen Tsunami im östlichen Mittelmeer aus – vielleicht ist dies der Ursprung der biblischen Geschichte der Sintflut?

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Nach der Pause kommt der lustige Teil der „Wanderung“: wir laufen, springen und rutschen eines der Aschefelder hinab. Hei, was für ein Spaß – und was für ein Staub-Aufwirbelei.

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