25. Mai – Triest bei Annalisa und Carl

Wir schaffen es, in den größeren Städten immer montags anzukommen, wenn Alles geschlossen ist. Aber da wir Triest überhaupt nicht kennen, ist auch ein Spaziergang durch die Stadt eine gute Sache.Triest ist allerdings für Fußgänger und Fahrräder nur bedingt geeignet. Der Autoverkehr dominiert die Stadt in einemn unglaublichen Maße und die 100.000 Motorinos tun das Ihre dazu.

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Annalisa geht mit uns los ins Zentrum, wo wir überraschender Weise James Joyce begegnen, der lange hier gelebt hat und „dessen Seele in Triest geblieben ist“.

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Ich hatte mir Triest – ohne darüber nachzudenken – flach vorgestellt am Meeresrand. Weit gefehlt. Nur direkt am Hafen und im  innersten Zentrum ist Triest flach, um dann zu den Rändern hin steil anzusteigen. Die Sträßchen haben nicht selten ein Gefälle von 15-20%. 23% sehen wir auch. Eine Straßenbahn führt durch die Stadt hinauf – ähnlich wie die Bergbahn in Heidelberg zieht die herunterfahrende Bahn eine andere auf dem Steilstück herauf. Allerdings wird dazu hier eine spezielle Konstruktion eingesetzt: Da die Straßenbahn auf dem Rest der Strecke „autonom“ fährt, setzt sie sich sich auf dem Steilstück vor einen extra Wagen, der am Stahlseil befestigt ist und Straßenbahn samt Fahrgästen dann hoch befördert. Vor dem Bug können noch bis zu drei Fahrräder aufgehängt werden. Durchschnittliche Steigung 20%, max. 26%.

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Außer der Straßenbahn hat Triest schon seit langer Zeit einen Mareografen aufzuweisen. Die genaue Feststellung des mittleren Meeresspiegels dient zur Bestimmung Höhenbezugs Normal Null. Auch heute noch ist die Stadt dafür zuständig.

Nachdem wir mit Annalisa noch einen Cappucino getrunken haben, schlendern wir auf ihren Rat hin durch die Gassen in Richtung des „römischen Bogens“ und des Castells. Unterwegs schauen wir uns Santa Maria Maggiore an, die daneben stehende älteste romanische Kirche Triests ist leider nicht zugänglich. Oben angekommen ist die Burg geschlossen, Reste eines römischen Tempels sind zu besichtigen. Sehr beeindruckend ist aber die fünfschiffige Kathedrale San Giusto. Sie wurde aus zwei älteren dort stehenden Kirchen zusammengesetzt, ist sehr schön und enthält Ravenner Mosaiken. Der Torbogen wird lustiger Weise von einem auseinandergesägten römischen Grabmal geschmückt. Auf diesem war auch eine befreite Sklavin abgebildet, die durch einen Heiligenschein und eine Hellebarde bereichert und so ihrer Verganngenheit beraubt wurde.

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Abends essen wir wunderbar von Carl vorbereitetes Gemüse und Reis. Hermino erhält durch Antonio, Annalisas Sohn einen neuen Namen: Merlino magico! Wir spielen noch ein Spiel, Irene, die Tochter ist mit zwölf Jahren daran nicht interessiert und Annalisa hat zu tun, aber uns Andere führt Antonio sicher in die Spielregeln ein. Abgerundet wird der schöne Tag durch ein Glas Wein und Diskussion mit Carl, von dem wir unter anderem noch Einiges über den Jugoslawienkrieg lernen, zu dem er seine Doktorarbeit geschrieben hat.

 

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