24. und 25. Juni – von Acireale über Nicolosi auf den Ätna

Auf Herminos Vorschlag fahren wir heute nur nach Nicolosi, das auf einer Höhe von ca. 700 Metern liegt, damit ich nicht 1700 Höhenmeter an einem Tag und womöglich in der Hitze zurücklegen muss. Wir brechen relativ früh aus Acireale auf, es geht kontinuierlich aufwärts natürlich, aber die 22 Kilometer sind auch schnell bewältigt und wir kommen schon um 11 Uhr in Nicolosi an. Die Unterkunft nimmt uns auf, obwohl normalerweise Check in erst ab 12.00 Uhr möglich ist. Ich bringe ein ziemliches Schlafdefizit mit und lege mich gleich ins Bett, auch weil ich am nächsten Morgen ganz früh aufbrechen will, um der Sonne bei der Fahrt auf den Ätna zu entgehen.

Später schlendern wir durch das Örtchen. Über Nicolosi ist nicht viel zu sagen,  – es bezieht seine Atrraktivität v.a. aus seiner Lage am Ätna. Wir versuchen das vulkanologische Museum zu besuchen, – ein Laster ist davor geparkt und es sieht ziemlich nach einer Baustelle aus. Ist es auch, Alles werde umgebaut und Multimediashows eingeführt, lassen wir uns erklären und bestaunen jedenfalls noch das verstaubte Ätna-Modell. Für den nächsten Tag wird dann noch Orangensaft, Limonata und Scacciata con patate eingekauft (sehr gut und sättigend).

Nach etwas unruhigem Schlaf mache ich mich um 6.00 Uhr auf den Weg, Hermino will noch frühstücken und dann nachkommen. Erstaunlich: Der erste Rennradfahrer begegnet mir schon vor der Ätnastraße und überholt mich etwas später mit einem zweiten. Ansonsten ist aber alles ruhig. Die Fahrt lässt sich gut an, die Steigung ist moderat. Rechts und links blühende Ginsterbäume. Aber schon bald nehmen die Lavamassen, die sich neben der Straße auftürmen zu. Rechts dann ein riesiger Steinbruch, in dem Basalt abgebaut wird.

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Je höher ich komme, desto karger und schwärzer wird es, aber immer wieder sind auch rote, weiße, rosane, gelbe, blaue Blümchen zu sehen. Und – zwischen den Lavamassen – Bäume, die von der Lava umflossen wurden. Leider auch hier (s. Bild – genau gucken) Abfallablagerungen, – am heiligen Berg. Da hilft auch das freundliche Schild der Associazione Proetna nicht.

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Nachdem ich die Hälfte der Kilometer geschafft habe, ist auch etwa die Hälfte der Höhenmeter bewältigt. Das lässt ja hoffen, dass es nicht zu steil wird. Wie es so ist, ist die zweite Hälfte dann doch steiler, aber es geht und ganz oben wird es wieder flach. Viel fotografiertes Motiv, an dem ich nun vorbeikomme und wirklich beeindruckend dann ein aus der Lava ragendes Hausdach knapp neben blühenden großen Bäumen. Ein Hubschrauber kreist über mir. Zurückblickend sehe ich die Serpentinen hinter mir und plötzlich bin ich über den Wolken, ein weißes Meer wie aus dem Flugzeug. Schön.

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[Hermino] Nach dem für italienische Verhältnisse sehr reichhaltigen Frühstück fahre ich um 8:20 Uhr los und fröstele – hier unten ist es unter der dichten Wolendecke doch recht kühl – wir sind ja schon auf 700 m. Die Steigung geht direkt los, daher läuft es zunächst nicht so rund, aber mit der Zeit wird es besser, inbesondere, als die ich über die Wolkendecke ins Licht – Brüder, zur Sonne! – fahre. Ich passiere zwei MTBler, die kurz angehalten haben. Der Abstand bleibt dann konstant bei wenigen 100 Metern, bis sie mich am Ende einer Serpentinenfolge überholen, allerdings mit hohem Puls! Ich wundere mich, wieso die auf halber Höhe auf einmal so Gas geben – das klärt sich schnell auf, denn drei Minuten später haben die beiden ihre Zielhöhe erreicht, während ich weitrer hoch kurbele. Der Blick auf den Ätna im Sonnelicht ist begeisternd und permanent haben ich Reinhard Mey im Ohr: „Über den Wolken, muss das Radeln wohl großartig sein“ – oder so ähnlich… [/Hermino]

Um 9.00 Uhr bin ich oben, die Hoteliers sind etwas erstaunt über den frühen Gast (check in hier um 15 Uhr), aber geben mir doch ein Zimmer und Hermino trifft um 10.30 Uhr dann auch ein – ein kleiner Mittagsschlaf tut gut. Wie es dann nachmittags weitergeht, dazu der nächste Bericht.

22 km, 550 Hm + 19 km, 1175 Hm

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