23. und 24. Mai Gorizia – Jesenice – Gorizia – Triest

[weitere Bilder folgen noch…]

Freitag morgen müssen wir uns zuerst darum kümmern, das Ticket für den Dampfzug ausdrucken zu lassen. Anschließend sitzen wir in der Bar, trinken Kaffee und schreiben Postkarten, – es regnet und regnet. Wir sehen zwar nichts von Gorizia, aber sitzen immerhin im Trockenen. Um 15.27 Uhr geht unser (Diesel)zug nach Jesenice, um 8.53 Uhr am nächsten Morgen soll uns die Dampflok zurücktransportieren.

Die Fahrt nach Jesenice, zuerst an der Soca den Weg entlang, den wir schon mit den Rädern gefahren sind und dann an einem anderen Flüsschen, über Bled, wo wir auch schon waren, dauert zwei Stunden. Als wir dort ankommen, ist es nach wie vor kalt und regnerisch. Jesenice hat ein großes Stahlwerk, hohe Plattenbauten, hinter denen einige ältere und eigentlich schöne Häuser sich verstecken und ist nicht die touristische Attraktion Sloweniens. Es war schwierig, überhaupt ein Zimmer zu finden. Hermino hatte im Netz zunächst nur drei gefunden. Zwei hatten dieselbe Adresse und nachdem er die genauer angesehen hatte, verzichtete er auf eine Buchung: „Ist das vielleicht ein Puff – guck mal da ist ein Whirlpool im ZImmer und sie bieten eine „romantic package“ an?“. Das dritte war besetzt und ein viertes, das er schließlich auch noch gefunden hatte, ebenfalls. Aber dieser Mensch hatte einen Tip und so hatten wir doch etwas gefunden. Dort angekommen entpuppt sich die Adresse als der vermeintliche Puff. Ist wohl wahrscheinlich doch keiner, aber doch ein obskurer Ort: Eine Art Massagesalon mit – wie gesagt – Whirlpool und Solarium. Unser „Apartment“ ist eine Art Höhle mit merkwürdig gestalteten Holzobjekten und großem Spiegel, aber eine Kinderhöhle für zwei Kinder gibt es auch. Dafür wenig Licht. Wir flüchten uns in eine nahe gelegenes Restaurant und bleiben bis spät abends.

Am Sonntag nach einem frühen Kaffee geht es dann los:

[Hermino:]  Eigentlich kann ich es mit meinem ökologischen Gewissen ja überhaupt nicht vereinbaren, mit einer von Steinkohle befeuerten Eisenbahn zu fahren. Das versaut unsere bisherige exzellente CO2-Bilanz der Reise doch erheblich. Aber was sein muss, muss sein. Denn mit dieser Reise wird ein Kindheitstrauma erfolgreich verarbeitet. Dazu muss ich kurz ausholen: Ich stamme aus Münster und habe vier ältere Geschwister. Mein Vater hat mit jedem Bruder und mit meiner Schwester einen Ausflug nach Osnabrück gemacht – mit der Damplflok-Eisenbahn. Nur mit mir nicht! Das hat mich wirklich Jahrzehnte gewurmt, auch das Spielen mit der Märklin-Bahn (in H0 natürlich! Quizfrage: Welches ist die schönste Baureihe?) hat nur bedingt geholfen…
Heute wird die Fahrt also nachgeholt – und durch eine ungleich viel schönere Landschaft (als das nördliche Münsterland) am Rande des Triglav-Nationalparks, über viele Brücken, kleine und den lägnsten Tunnel Sloweniens (~ 6 km) an verschiedenen Flüssen entlang. Grandios!
Die „Wocheiner Bahn“ wurde vor gut 100 Jahren von den Österreichern gebaut – deswegen haben die heutigen Veranstalter auch ein Begleitprogramm organisiert: Der Erzherzog nebst Gemahlin fuhr mit,  sein Soldat sucht im Abteil nach Bomben, etc. Na ja, wer’s mag….
Mit im Abteil war ein englisches Paar, welches berichtet, dass auf der Insel rund 130 „steam trains“ fahren. Puh, das sind ne ganze Menge, die pusten schon erhebliche CO2-Mengen die Luft…
Beim Fotografieren aus dem Fenster habe ich sofort eine Lektion gelernt – mir flogen immer wieder Rußpartikel ins Gesicht. Am Ende sah ich deutlich gekennzeichnet aus. Aber auch sehr glücklich und im Reinen mit meinem Vater –  schade, dass er nicht dabei war…

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Wieder in Gorizia angekommen, holen wir die Räder und setzen uns in ein Cafè, vor allem, weil wir unsere Geräte, insbesondere das Tablet laden müssen, auf dem alle Karten und Routen gespeichert sind. Und natürlich die Kamera. In Richtung Triest ist eine Hügelkette im Weg, genauer gesagt, eine Karstlandschaft. Nach knapp der Hälfte der Strecke klettern wir etwa 350 hm steil bergauf – zwischen 10 und max. 17% ist die Steigung. Die Erwartung war, dass anschließend eine Abfahrt folgt. Weit gefehlt. Etwa 20 km bewegen wir uns auf dem welligen Karst. Der Begriff Karst leitet sich von tatsächlich von einer slowenischen Landschaft ab und bezeichnet eine Landschaftsformation, die eben durch Wellen und Einschnitte auf der Oberfläche und Höhlen im Untergrund gekennzeichnet ist. Die bilden sich, weil das Gestein (Kalkstein oder Gips) durch bestimmte chemische Prozesse verwittert. Durch die Wellen fahren wir und so kommen  einige Höhenmeter zustande. Einen ersten Blick aufs Meer erhaschen wir auch.

 

Zwischendurch geht es mal wieder über Stock und Stein, um vom einen Tal ins nächste zu kommen und erst kurz vor Triest werden wir mit einer 300m Abfahrt in die Stadt und schönen Blicken auf Hafen und Meer belohnt.

54 km 750 hm

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