21. Mai – Abfahrt nach Bovec durchs Socatal

Socatal schreibt sich eigentlich mit so einem kleinen umgekehrten Hütchen auf dem c, aber das finde ich auf meiner Tastatur nicht, also muss es ohne gehen.

Heute, Donnerstag, wecke ich Hermino früh. Wir sind wegen des nicht enden wollenden Regens gestern in der Berghütte geblieben. „Hör mal – der Regen hat aufgehört! – Wir sollten vielleicht aufstehen und fahren.“ Nachdem ich die Gardine weggezogen habe, bietet sich mir dieses Bild. Hm.

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Wir gehen trotzdem frühstücken und da die fallenden Tropfen jetzt überwiegend vom schmilzenden Schnee stammen, fahren wir auch los, mit Überschuhen und Regenjacken. Auf den 100 Metern bis zur Passhöhe wird uns ganz schön warm. Aber wir freuen uns, dass es nicht gießt wie gestern und glatt ist die Straße auch nicht. Oben stehen zwei Franzosen im Nebel (wie gut, dass wir Alles noch bei Sonne gesehen haben) und bewundern uns. Sie denken sicherlich, wir seien gerade von unten hochgefahren – unser französisch reicht nicht wirklich, um das aufzuklären und wir wollen es auch gar nicht unbedingt richtigstellen. Jedenfalls sind sie so begeistert von uns, dass sie unbedingt ein Bild machen wollen und so haben wir von dieser Passhöhe mal ein gemeinsames Foto.

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Und dann kommt die Überraschung: Es ist den ganzen Tag Regen angesagt, wir fahren anfangs sehr vorsichtig, weil die Straße ziemlich nass und der Asphalt teilweise schadhaft ist.

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Aber 150 Meter weiter unten kommt plötzlich die Sonne heraus. Und auch auf dieser Seite ist der Vrsić etwas Besonderes. Das Panorama ist zuerst überaus rauh, die Berge wirken dunkel und die tiefen Taleinschnitte ein bisschen unheimlich. Weiter unten, nachdem wir die Soca treffen, ist das Tal dann freundlicher, die Soca mit ihrem ganz klaren Wassser, mal durchsichtig, mal grün, mal – durch die Steine – gelb erscheinend, strudelt und überschlägt sich über Felsen, bildet kleine Wasserfälle und beruhigt sich dann wieder in kleinen Becken. An vielen Stellen führen kleine hölzerne Hängebrücken über den Fluss, zu Häusern oder Wanderwegen. Sie hängen an Drahtseilen und schwingen kräftig, wenn man drüberläuft.

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Unterwegs treffen wir, auch an einer Brücke, aber einer steinernen, Franz, den österreichischen Wanderer. Und da wir mit weiterem Regen rechnen, besuchen wir ein kleines Zentrum über den Triglav Nationalpark in Trenta, auf halbem Weg den Pass herunter nach Bovec. Ein sehr schön gestaltetes Haus. Die Ausstellung berichtet einige Daten bspw. über den sehr stark abschmelzenden Triglav-Gletscher. Ein bisschen könnten die Museums-Gestalter hier von der mittlerweile ja weit entwickelten Museupädagogik in Deutschland noch lernen, finden wir. Der Film, den wir sehen, bietet nur spärliche Informationen, die Exponate vielfacher Schmetterlingsarten sind für ausgemachte Expert/inn/en vielleicht nicht ohne Reiz, der gemeine Museumsbesucher tut sich jedoch ein wenig schwer. Aber alles ist getragen vom slowenischen Stolz auf ihren Nationalpark und da fühlen wir allemal mit. Nicht nur die bestechende landschaftliche Schönheit, auch die Konsequenz, mit der sie hier erhalten wird, beeindruckt uns sehr.

Anschließend haben wir Kaffeedurst, finden aber nicht so schnell eine Gaststätte, die uns gefällt, fahren also nach Bovec ab. Hm, nicht nur ab, da sind doch noch einige dumme Wellen dazwischen, die in meiner Vorstellung auf der Abfahrt nichts zu suchen haben. Unterwegs halten wir aber noch einmal, weil wir in der Soca durch die Bäume Kajaks blitzen sehen. Wir beobachten einige Zeit, wie Lehrer/innen und Schüler/innen sich hier bemühen, die Stromschnellen zu meistern. Nicht nur einer landet dabei kopfübe. Unser Schreck ist größer als der der Fahrer/innen. „Och“, belehrt uns eine Österreicherin, die seit zwei Jahren fährt, „ich bin schon sicher 150 mal so gelandet und noch immer herausgekommen!“ Kajakfahren wäre schon nach meinem Geschmack, aber ohne ein paar Tage Üben kommt man da wohl nicht aus und so lange bleiben wir ja nicht. Das Socatal ist jedenfalls eines der ganz wichtigen Gebiete für Kajakfahrer/inn/en und bietet auch Profis erhebliche Herausforderungen.

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In Bovec essen wir lokale Spezialitäten – Hermino ein Mittelding zwischen Omelett und Pfannkuchen in salzig, ich Buchweizen-Blaubeerpfannkuchen in süß. Und nun fängt es auch endlich an zu gießen, so dass wir beschließen, im Ort zu bleiben. Kaum haben wir uns in einem kleinen Apartement eingerichtet, kommt aber die Sonne wieder heraus und wir machen uns einen gemütlichen Nachmittag, kochen mal selbst, grünen Spargel und Pasta – schmeckt prima, die Wirtin liefert noch Ruccola dazu und zum Nachtisch gibt es Kirschen!

36 km 150 hm

 

 

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