16. Juni – Taormina

Endlich wieder ein Beitrag – wir haben geschwächelt.

In Taormina sind wir bei sehr netten Leuten in einem ganz neuen Bed und Breakfast untergebracht.

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Ich stehe um 6 Uhr auf, um ein bisschen durch die Stadt zu schlendern und ein paar Fotos von Gebäuden und nicht von Menschen zu machen. Bevor die Tourist/inn/en aufwachen, wird der Müll entsorgt (das funktioniert hier!), Gasflaschen werden geschleppt, Handwerker klopfen an den Fassaden herum und werkeln hinter Plastikfahnen und im berühmten Cafe Wunderbar, in dem sich einst die Boheme traf, von der Hermino schon geschrieben hat, sitzen nur zwei Zementsäcke.

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Die ersten Fotos mache ich aber – wie immer – von irgendwelchen Pflanzen. Ich überlege, woran die unglaubliche Intensität der Farben verschiedener Blüten und Früchte hier liegt? Selbst die zarten Farben scheinen zu leuchten. Ist es das Licht oder nehmen die Pflanzen andere Stoffe aus der fruchtbaren Erde auf?

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In Gedanken darüber laufe ich weiter und versuche, ein paar Fotos von Castelmole einzufangen, einem Städchen oberhalb von Taormina, das vom Boom profitiert: Wenn in Taormina alles beguckt ist, fährt man da hoch, wir kommen aber nicht dazu. Taormina hat aber auch wirklich selbst viel zu bieten: Die Kulisse eines der wichtigsten Plätze mit dem schwarz-weißen Pflaster: rechts von einem erin normannischer Turm, vor einem die Kirche und gleich dahinter die hoch aufragenden Felsen, schon begeisternd! Die Architektur ist besonders von normannischen und arabischen Einflüssen geprägt. Die trutzigen Türmchen und Paläste sind oft mit schwarz-weißen Einlegearbeiten geschmückt und die Fensterausschnitte zeigen auch deutlich arabische Einflüsse. Sizilien hat insgesamt eine wechselvolle Herrschaftsgeschichte, die Normannen eroberten es von den Arabern, danach kamen die Staufer. Zu der Zeit lebte ein buntes Völkergemisch von Normannen, Arabern, Sizilianern, Juden und Anderen hier.

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Auf das Frühstück um 8.30 Uhr kann ich dann doch nicht warten und trinke in einer Bar schon einmal einen Cappuccino – gut, dass ich mich darauf beschränke, denn unser Wirt ist Koch und das Frühstück dann ganz hervorragend: Zwar typisch italienisch süß, aber sehr variationsreich mit Früchten, Crepes, Selbstgebackenem, Ricottacreme und Joghurt. Ein Foto haben wir leider nicht gemacht, es hätte sich eigentlich gelohnt, aber den Tipp des B&B geben wir an Taormina-Reisende gerne weiter.

Ein nettes Erlebnis haben wir später noch im Dom. Wir wundern uns über ein Madonnenbild ohne Gesicht und überlegen, ob es geraubt wurde? Nein, klärt uns die Reinigungsfachkraft auf: Aus einem bestimmten Winkel sieht man das Gesicht, man müsse nur genau gucken. Wir brauchen einige Zeit, aber auch auf dem Foto kann man das Gesicht dann mit etwas Phantasie erkennen.

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Anschließend besichtigen wir eine Terasse eines 5-Sterne-Hotels, vorgeblich, um zu überlegen, ob wir hier des wunderbaren Panoramas wegen, speisen sollen. Allerdings hat man dasselbe Panorama auch vom nächsten Platz fünf Meter weiter und eigentlich von fast überall ganz umsonst. Wir essen also später in einer kleinen Pizzeria, vergleichsweise nicht teuer, allerdings sind die Preise hier schon mal grundsätzlich höher als nach unserer sonstigen Erfahrung.

Taormina beherbegt im Sommer renommierte Festivals, Konzerte, Theater und Film. Das Filmfestival läuft gerade und wir wollen uns das berühmte „teatro antico“ im Rahmen einer Filmvorführung („When we were young“) ansehen. So kostet es uns mit reservierten Plätzen 6 Euro statt 8 Euro Eintritt tagsüber und den Film bekommen wir noch datzu. Dass wir das Theater im Dunkeln sehen, schadet nicht viel, denn – wie gesagt – das Panorama kennen wir schon und innen ist es erleuchtet. Wir werden Zeugin und Zeuge kreischender Teenager-Orgien als dem Film voran diverse Schauspieler/innen geehrt werden – ich komme mir vor wie zur Zeiten der Beatles. Ein gut Teil des jungen Publikums ist überhaupt nur daran interessiert, einen Blick oder noch besser eine Berührung eines Stars zu erhaschen und verlässt das Amphitheater mit diesen dann wieder vor Beginn des Films. Übrigens: Das Theater hat griechische Wurzeln, das besagte Rundum-Panorama diente als Kulisse; die Römer, die das Ganze zu einem ihrer blutigen Gladiatorentheater umbauten, waren sich nicht zu dumm, vor die Bühne einen große Aufbaut zu stellen, die aber – dem Schicksal sei dank – inzwischen wieder zerfallen ist. Die Leinwand, die da heute steht, ist nun ja mobil und verstellt die Aussicht nur übergangsweise.

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