15. Juni von Messina nach Taormina

Irgendwie ist doch ein bisschen der Erschöpfungswurm drin – trotz unseres gemütlichen und schönen Tages gestern sind wir abends in Messina ganz schön erschöpft und können uns nicht aufraffen, einen Stadtbummel zu machen. Erst um 21.30 Uhr gehen wir doch noch los, um jedenfalls einen Blick von oben auf die beleuchtete Stadt zu erhaschen und eine Kleinigkeit zu essen. Von einer großen Terasse vor einer Kirche haben wir einen schönen Blick auf den Hafen und über die Meerenge zum Kontinent (leider haben wir die Kamera nicht dabei, so dass wir nur Bilder mit dem Telefon machen können). In der Pizzeria wird ein 11. Geburtstag gefeiert, typisch italienisch mit viel Lärm, aber auch mit Gesang – tanti auguri a te! – und guter Laune. Kleines Detail: Die Mutter hatte die Geschenke zuvor eingesammelt, überreicht sie nun einzeln und die ganze Gesellschafft nimmt jeweils Anteil und freut sich gemeinsam.

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Da wir wieder früh loswollen, nehmen wir das Frühstück in der Bar auf der anderen Straßenseite ein. Die sehr zuvorkommenden Gastgeber des B&B bestehen jedoch darauf, dass sie es bezahlen und geben uns eine dringende Empfehlung: „Ihr müsst Granita mit Brioche nehmen!“ Dem Rat folgen wir natürlich und sind angenehm überrascht: Eine „Granita“ ist ein fruchtiges Eis-Sorbet-Gemisch, von dem es verschiedene Geschmackssorten gibt, typisch sind Schokolade, Limone, Kaffee, Erdbeere etc. Stücke des warmen (!) Brioche, eines luftigen Hefebrötchen, werden eingetunkt und dann genossen. Himmlisch! Wie so oft hier unten, scheinen wir, die bepackte Reiserennräder und vor allem der Anhänger absolut ungewöhnlich zu sein und werden genau unter die Lupe genommen. Auf die Frage, ob die Bundesstraße stark befahren sei, antwortete der Gastgeber mit einem „Nö, nur etwas“, so dass wir beschließen, die SS 114 aus Messina raus zu fahren – und lernen dabei, dass Mengenangaben relativ sind. Erst nach 20 km nimmt der starke, aber weitgehend unaggressive Verkehr ab. Die an der Küste verlaufende Straße gewährt uns Blicke auf das heute aufgewühltere Meer, seltsame Skulpturen und prächtige Auslagen.

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Taormina liegt deutlich erhöht, somit müssen wir noch in der Mittagshitze einen recht schweren Anstieg bewältigen – und zum Abschluss Räder und Gepäck noch einige Treppen zur Unterkunft hochtragen.

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Nach der ausgiebigen Siesta machen wir einen kleinen Bummel durch die proppevolle Stadt und entdecken eine kleine ruhige Oase im Trubel – den Garten einer Sprachschule, bei der es auch Cappuccino gibt – und zwar zu normalen Preisen. Dort verweilen wir, lesen in den digitalen Reiseführern und lernen Erstaunliches. Der Touristenboom (eine Million Übernachtungen pro Jahr) geht auf folgende Episode zurück: Ein Maler rief seine Kritiker auf nach Taormina zu kommen, und wenn er mit seiner Beschreibung – blühende Mandelbäume im Frühling vor einem schneebedeckten, riesigem Vulkan – nicht recht habe, würde er deren Reisekosten übernehmen. Die Kritiker reisten aus Paris an und mussten eingestehen, dass er recht habe. Dies sprach sich in der Bohéme herum und ein deutscher Fotograf tat mit seinen Bildern von jungen Männern in den Ruinen des griechischen Theaters mit dem Ätna im Hintergrund sein übriges dazu und bald war Taormina das angesagte Reiseziel der „Reichen und Schönen“. Es gab sogar eine direkte Zugverbindung London-Paris-Taormina.
Mehr zu der Stadt berichten wir dann im nächsten Text.

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55 km, 500 Hm

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