14. Mai – von Murau via Turracher Höhe an den Millstätter See

Nun muss ich mal was zu unserer Ausrüstung sagen: Unterwegs trage ich ständig Claras Buff (Halstuch), mal als Sonnenschutz auf dem Kopf, mal als Kälteschutz um den Hals. Wir haben uns jede/r eine leichte Trekkinghose und ganz leichte Schuhe gekauft, die wir tagein/tagaus tragen, wenn wir aus den Sportklamotten raus sind. Trocknen schnell, keine Falten – prima. Dann habe ich aber sogar Schmuck dabei! Die schöne „Perlenkette“ von Annette und eine bunte Kette von Nadja. Beide bewahre ich in einem kleinen roten Lederetui von Katharina auf. Elektronisch sind wir mit unserem neuen Tab und einer Tastatur von Stefan sowie einer kleinen Reisekamera ohne viel Gewicht bestens versorgt. Rafaels Riegel sind zwar schon verspeist, aber ein paar andere haben wir noch dabei. Insgesamt haben wir – nachdem wir nochmal 5 kg verschickt haben noch ca. 20 kg dabei inclusive Werkzeug und Schlösser. Uns fehlt bisher nix. Allerdings wiegt der Anhänger selbst 5 kg und heute zieht Hermino noch die nasse Wäsche mit.

Das kommt so: Nachdem wir morgens nach dem Spätstück die Bäuerin gebeten haben, ihre Waschmaschine nutzen zu dürfen, gucken wir mal in den Wetterbericht. Morgen Dauerregen. Und wir haben noch einen Pass vor uns, den wir zwar umgehen könnten, aber eigentlich nicht wollen. Also fahren wir doch. Mit nasser Wäsche in Margrets Beutel.

Allerdings fängt es dann sofort auch schon an zu regnen und die ersten 20 km lassen sich wenig gut an. Der Murradweg ist hier längst nicht so gut ausgebaut wie bspw. der Steyrradweg, führt unregelmäßig auf und ab mit steilen Rampen und zunächst überwiegend auf Schotter. Dazu kommt kräftiger Gegenwind und Nässe von oben und unten.

Nach einer frühen Kaffeepause wird’s trockener und der Radweg besser. Wir sind in einem Quertal in Ost-West-Richtung unterwegs und im nächsten Ort müssen wir uns entscheiden, ob wir nach Süden abbiegen und die Turracher Höhe überqueren oder doch noch weiter nach Westen eine weniger steile Umgehung fahren. Unser Ziel ist die Ostseite des Millstätter Sees, wo wir Manon Andreas-Grisebach besuchen wollen, die vor vielen Jahren in Neckargemünd und Heidelberg bei den Grünen aktiv und auch vier Jahre im Bundesvorstand war.

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(Predlitz, wo wir uns entscheiden müssen und Auffahrt zur Turracher Höhe)

Wir versuchen es mit der Turracher Höhe. Es lässt sich gut an, v.a. hat sich der Gegenwind verzogen, es ist überwiegend windstill, manchmal bläst es sogar von hinten, steil ist es auch nicht. Aber das kommt noch. Als es losgeht mit der 10%-Strecke finde ich noch, dass es wesentlich besser geht als der Sölkpass und tatsächlich ist es auch nicht so steil. Allerdings gibt es keine Kehren und noch weniger Möglichkeiten, sich zu erholen als am Sölkpass, die Steilstrecke zieht sich viel länger als ich es erwarte. Aber der Pass ist schöner als wir aus den Beschreibungen erwartet haben. Nächste leichte Biegung – die Steilstrecke ist immer noch nicht vorbei? So schön ist der Pass nun auch wieder nicht, aber oben soll er ja wieder flacher werden, nächste Biegung, vielleicht jetzt? Denkste! Aber da kommt Hermino und unterstützt mich ein Stückchen – so ein Glück und jetzt wird’s auch wieder flacher. Es zieht sich noch ein bisschen, Turracher Höhe Nord ist erreicht. Aber es geht wieder weiter zur Turracher Höhe Süd – endlich die Passhöhe.

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Und jetzt verstehen wir die negativen Beschreibungen – was für eine Skiwüste hier oben: leerstehende Hüttendörfer und Hotels zwischen nackter Erde und Baggern. Ziemlich furchtbar sieht das aus, eine verwundete Bergkuppe. Wenn das alles weiß bedeckt ist, mag es gehen, aber jetzt gar nicht. In dieser Einöde wollen wir auch nicht Kaffee trinken, obwohl ich dringend Kaffee bräuchte. Wir rufen Manon an, kündigen an, dass wir in zwei Stunden etwa da sind – es sind noch knapp 40 km. Wir fahren ab, genauer gesagt, erstmal durch eine Welle und nochmal hoch. Aber dann geht es abwärts, nicht so steil wie am Sölkpass bis plötzlich ein Schild auftaucht: 23 % – das gibt’s doch nicht. Wir können kaum die Hinterräder auf dem Boden halten allerdings geht das nur 200 m etwa. Das reicht auch.

Bei der nächsten Steigung nach der Abfahrt sagen meine Beine NEIN – es geht nichts mehr und wir müssen doch pausieren. Jetzt fängt es auch an zu gießen, wir essen eine Rinderbrühe und meine Beine sagen „vielleicht?!“ Bis zum Millstätter See geht es nun bergab allerdings noch durch zwei Regengüsse und dann nochmal 150 Meter steil bergauf, meine Beine sagen „wenn’s denn sein muss“. Vor Glanz finden wir den von Manon beschriebenen Hinkelstein mit der 20 drauf und werden mit Spargel und Hirschbraten empfangen – göttlich. Und was für ein Blick von ihrem Haus aus über den Millstätter See!

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(Millstätter See und Auffahrt zu Manon im Zickzack)

85 km 1500 hm

 

 

 

 

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