Meine Begrüßungsrede

Sehr geehrter Herr Minister – lieber Franz!
Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen – damit Sie wissen, wer ich bin und warum ich hier vorne stehe.

Ich bin 47 Jahre alt, geboren, aufgewachsen – dabei christlich geprägt – in der Fahrradstadt Münster. Nach Abitur und Zivildienst habe ich in Köln und Heidelberg Physik studiert, meine Wahlfächer waren u.A. Geophysik und Umweltphysik.
Inzwischen arbeite ich an der Universität Heidelberg im Rechenzentrum bzw. bin seit gut 5 Jahren von dieser Tätigkeit freigestellt, denn ich bin in Vollzeit Vorsitzender des Personalrats der Universität, vertrete also die Interessen von knapp 5000 regulär Beschäftigten.

Für die Grünen bin ich seit 2009 bin ich Stadtrat in Neckargemünd und seit 2014 zusätzlich auch Kreisrat des Rhein-Neckar-Kreises – und nun bin ich der Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen für den Wahlkreis Sinsheim.

Ich habe drei Themenfelder, für die ich mich weiterhin besonders stark machen will. Das ist zum einen die Flüchtlingspolitik. Das Thema bewegt mich nicht erst seitdem die Zahl der Menschen, die bei uns Schutz suchen so stark angestiegen ist. Wir in Neckargemünd eine bestehende Unterkunft und bekommen bei uns und in der Nachbarschaft weitere große Unterkünfte.

Dann die Nachhaltige Mobilität – zu der auch, aber nicht nur, die Förderung des Radverkehrs gehört. Der Verkehr trägt in Baden-Württemberg knapp 30 % zu den klimaschädlichen Emissionen bei! Wir haben in den anderen Bereichen – Industrie und private Haushalte – große Erfolge gehabt. Aber nicht beim Verkehr, die Emissionen sind in den letzten Jahrzehnten nicht gesunken. Da ist noch viel zu tun, aber da haben wir auch viel Potential.

Aber mein wichtigstes Anliegen, und damit komme ich zum heutigen Thema, ist der Klimaschutz. Denn Umweltschutz und Klimaschutz gehen Hand in Hand, das eine geht nicht ohne das andere!

Ich möchte im besten christlichen Sinne „die Schöpfung bewahren!“ – denn wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt! Es gibt halt keinen Planeten B. „Bewahren“ alleine reicht aber nicht aus – wir müssen die Welt auch weiterenwickeln und Fehlentwicklungen korrigieren.

Die Wissenschaflter*innen des IPCC, des internationalen Uni-Klimabeirats sind traditionell sehr vorsichtig und sehr zurückhaltend. Dennoch haben sie im jüngsten Bericht geschrieben:

  • Die Erwärmung des Klimasystems ist eindeutig, und viele dieser seit den 1950er Jahren beobachteten Veränderungen sind seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden nie aufgetreten.
    Die Atmosphäre und der Ozean haben sich erwärmt, die Schnee- und Eismengen sind zurückgegangen, der Meeresspiegel ist angestiegen und die Konzentrationen der Treibhausgase haben zugenommen
  • Jedes der letzten drei Jahrzehnte war an der Erdoberfläche sukzessive wärmer als alle vorangehenden Jahrzehnte seit 1850
  • Die atmosphärischen Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und Lachgas sind auf Werte angestiegen, die seit mindestens den letzten 800 000 Jahren noch nie vorgekommen sind.
  • Es ist äußerst wahrscheinlich, dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war.
    (Äußerst wahrscheinlich bedeutet mit einer Sicherheit von 95 bis 100 %.)

Durch menschliche Effekte werden derzeit pro Jahr ca. 10 Gt Kohlestoff, also 10 Milliarden Tonnen in die Atmosphäre freigesetzt. Klingt nach viel? Abwarten.

Um die Erderwärmung sicher unter 2 ° C zu halten – wozu sich die Staatengemeinschaft vor einigen Wochen in Paris verpflichtet hat – dürfen wir nur noch 250 Gt Kohlenstoff emittieren [Zahlen von 2013 auf 2015 fortgeführt!]. Wir könnten also 25 Jahre so weiter machen wie bisher. Müssten dann aber sofort komplett auf Null herunter fahren. Das geht natürlich nicht.

Also müssen wir mit der Energiewende weitermachen. Nein, wir müssen jetzt noch viel mehr tun als bisher. Denn sonst bekommen wir große Klimaveränderungen in allen Teilen der Welt (was zu viel mehr Flüchtlingen führen wird) und auch hier in Mitteleuropa, auch hier im Odenwald und Kraichgau! Dies würde unsere schöne Landschaft deutlich verändern, deutlich mehr „verschandeln“ als Windräder.

Für die Energiewende brauchen wir den bekannten Dreiklang: Energie einsparen – Energieeffizienz steigern – und Erneuerbare ausbauen.

Bei den Erneuerbaren müssen wir hier in Mitteleuropa auf einen Mix setzen. Wir brauchen einen Mix aus Wasserkraft, aus Sonnenenergie UND aus Windenergie.
Und ja, auch bei uns vor der Haustür. Denn was wäre die Alternative? Stromparks in der Nordsee? Ja, die brauchen wir auch, aber den Strom hierherzuleiten ist wegen der fehlenden Leitungen teuer – sehr teuer. Regionale Windenergie ist die kostengünstigste Methode Strom zu erzeugen. Und die Anlagen sind am Ende der Laufzeit einfach und rückstandsfrei abbaubar – im Gegensatz zu Atomkraftwerken, bei denen die Endlagerung ja auch noch ungeklärt ist.

Wir wollen und wir müssen in Baden-Württemberg bis 2020 10 Prozent des Strombedarfs durch Windenergie erzeugen. Nach 58 Jahren Blockadepolitik durch die CDU kann uns das gelingen, wir sind – dank Franz Untersteller – auf einem guten Weg.
Und wir sind auf gutem Weg, dieses Ziel auch naturverträglich zu erreichen!
Bei uns Grünen steht der Umweltschutz ganz weit vorne auf der Liste!